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Akira Toriyama Super Interview - Runde 1

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Akira Toriyama Super Interview
Runde 1 — The Evolving Illustrations

Interview[1][2]

Da dieses Buch eine Artillustrierte „Dragon Ball„-Bibel darstellt, wird sich unser Interview auf ein einziges Themakonzentrieren: Ihre Welt der Zeichnungen.Zu Beginn würden wirgerne wissen, ob Sie Ihren Zeichenstil zwischen dem Erscheinen von „Dr. Slump“ und „Dragon Ball“ bewusst verändert haben und wenn ja, warum?

Ich passe meine Zeichnungen generell dem Szenario an. Zweimal hintereinander dasselbe zu machen, ertrage ich nicht. Ich hätte „Dragon Ball“ in derselben Art wie „Dr.Slump“ zeichnen können, aber der Zeichenstil hätte nicht zur Geschichte gepasst. Ein anschauliches Beispiel sind die Kampfszenen in „Dragon Ball“. Je aggressiver sie werden, desto einfacher und kantiger muss der Strich geführt werden, um die gewollte Wirkung zu erzielen. Mit dem weichen Strich von „Dr. Slump“ hätte das nicht gut funktioniert.
Außerdem bin ich manchmal auch einfach gerne gemein. Wenn ich den Brief eines Lesers bekomme, in dem er mir erklärt, dass meine Zeichnungen zu kantig geworden seien und er meinen alten Stil vorzieht, dann setze ich absichtlich noch einen drauf…(lacht). Ursprünglich war ich eher Illustrator als Comiczeichner, deshalb fiel es mir anfangs schwer, Personen in Bewegungen zu zeichnen. Die ersten Szenen der Kampfturniere waren ehrlich gesagt ein echtes Martyrium für mich.


Man sagt, dass Sie in Ihrem Atelier keinerlei Anschauungsmaterial besitzen… Durch was haben Sie sich für dieersten Kampfszenen inspirieren lassen?

Hmmm… Was ich gemacht habe? Da mir mein Stolz untersagte, mich von anderen Manga inspirieren zu lassen, habe ich mich an Filme erinnert, die meine Kindheit geprägt haben.


Haben Sie denn noch Zeit, ins Kino zu gehen?

Nicht mehr, seit ich Kinder habe. Allerdings versuche ich, von den Filmen, die im Fernsehen laufen, so viele wie möglich aufzunehmen, egal welches Genre. Während ich arbeite, kann ich sie mir dann ansehen. Unter diesen Bedingungen sollte man besser Filme mit Untertiteln vermeiden…(lacht). Der Ton verrät mir, ob eine Szene sehenswert ist oder nicht. Wenn mich ein Film wirklich interessiert, schaue ich ihn mir ganz an, die anderen lasse ich einfach nebenher laufen.


Haben Sie sich für das Szenario von „Dragon Ball“ von einigen Ihrer Kultfilme beeinflussen lassen?

Nein, nicht wirklich. Mich interessiert eher, was Filme sichtbar machen. Zum Beispiel gibt es bei einer Explosionsszene nicht nur ein einfaches „Bumm“, sondern kurz vorher noch einen Leuchtblitz… Diese Art von Detail bereichert mein zeichnerisches Schaffen.


Der in „Dragon Ball“ angewandte Erzählstil ist aber doch trotz allem sehr stark vom Film beeinflusst...

Es stimmt schon, ich bin ein Fan von Jackie Chan-Filmen und dem ihnen eigenen Rhythmus der Schnitte. Eine bessere Vorlage für Kampfszenen kann man sich gar nicht wünschen. Ansonsten greife ich allgemein nicht auf Vorlagen zurück, nur bei Autos und Flugzeugen benutze ich dreidimensionale Modelle zur zeichnerischen Übung.


Alle Leser sind davon fasziniert, wie Sie aus existierenden Automodellen die ungewöhnlichsten Fortbewegungsmittel entwickeln…

Wenn ich versuche, ein Fahrzeug möglichst wirklichkeitsgetreu darzustellen, muss ich sehr sorgfältig und mit einem ungeheuren Sinn für’s Detail vorgehen. Entscheide ich mich aber dafür, die Wirklichkeit zu variieren, sie zu verändern, wird alles sehr viel einfacher. Mit anderen Worten, ich entscheide mich damit auch für die einfachste Lösung, um mir die Arbeit so schnell wie möglich vom Hals zu schaffen…(lacht). Im Ernst, meine Manga haben immer eine komische Seite, die Hauptpersonen sind auch Karikaturen, ihnen muss sich ihr Umfeld anpassen.


Abgesehen von den umgeformten Fahrzeugen sind in „Dragon Ball“ eine Reihe von Maschinen direkt Ihrer Fantasie entsprungen…

Während ich mir etwas ausdenke, etwas erfinde, habe ich den meisten Spaß (lacht)! Selbst meine verrücktesten Kreationen versuche ich glaubhaft darzustellen, indem ich nichts dem Zufall überlasse. Ich entwerfe sie so, als müssten sie tatsächlich auch in der Realität funktionieren.


Kommen wir nochmals genauer auf Ihre Zeichnungen zurück, insbesondere die Kolorierung. Wie gehen Sie vor?

Ich benutze eine Reihe gebrauchsfertiger Tuschen namens „Ruma“, die mir eine Shōjo Manga-Zeichnerin vor einigen Jahren empfolen hat. Davor habe ich Tusche benutzt, die ich vor Gebrauch auf einem Teller in Wasser auflösen musste. Das war langwierig und mühselig.


Nebenbei gefragt, welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Ich würde sagen Grün, italienisches Dunkelgrün, aber auch Gelb und Orange.


Gelb und Orange, das sind die Farben von Son-Gokus Anzug…

Genau, aber ich habe sie ausgesucht, weil es die Farben der chinesischen Mönche sind, nicht aus persönlicher Vorliebe! Es sind Glücksfarben.


Wie entwickeln Sie Ihre Figuren?

Am Anfang steht eine Geschichte, ein Gesamtbild, weniger eine Figur. Wenn die Atmosphäre geschaffen ist, entwickeln sich die Figuren ganz von selbst. Manchmal bereue ich auch, bestimmte Helden oder Charakterzüge geschaffen zu haben. Cell ist so ein Beispiel, das hat aber keinen anderen Grund als meine Faulheit. Jedesmal, wenn ich eine Geschichte beenden möchte, in der er auftaucht, fällt mir auf, dass ich die Punkte auf seinem Körper vergessen habe. Ich mag eigentlich keine Figuren, die gerastert werden müssen, vor allem, wenn ich das selbst erledigen muss…(lacht).



Verfolgen Sie eine Strategie bei der Farbgebung der Kleider der einzelnen Figuren?

Naja, ich mache das eher aus dem Gefühl heraus, und da ich fast nie meine alten Zeichnungen anschaue, kann es vorkommen, dass die Farben von einer Seite zur anderen leicht variieren…(lacht).


In diesem Buch sind Ihre Zeichnungen chronologisch geordnet, so dass man sehr gut die Entwicklung Ihres Stils über die Jahre hinweg beobachten kann…

Ich glaube, das ist eine ganz natürliche Entwicklung, die sich vollzogen hat, ohne mir bewusst zu werden. Aber jedes Mal, wenn ich eines meiner bereits erschienenen Büchervon vor einem Jahr betrachte, finde ich meine Zeichnungen und Farben nur mittelmäßig.


Nach einem Jahr?

Ja. Ich denke dann „Ah, ich schätze, ich habe mich stark weiter entwickelt.“(lacht). Sogar bei Zeichnungen, die nur eine kurze Zeit zurück liegen, denke ich, sie sind komisch. Ein Beispiel: Sogar bei einem Manuskript, das nur gut ein halbes Jahr zurück liegt, denke ich manchmal, dass es seltsam ist oder bei kolorierten Manuskripten, die ich gemalt habe, denke ich oft „ Ah, ich hab’s vermasselt.“


Wirklich?

Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich sofort alles noch mal neu machen, aber man hat ja nie Zeit…(lacht).


Ihre Farbgebung hat sich auch entwickelt…

1989 habe ich bei einem Zeichentrickfilm namens „Kosuke-sama Rikimaru-sama“ Regie geführt. Der Einblick in die Techniken der Animation von Toyoo Ashida, was die Farbgebung und den Einsatz von Licht und Schatten angeht, markiert einen zentralen Wendepunkt in meiner Schaffensweise. Die Wahrheit ist, Herr Ashida ist jemand, den ich immer respektiert habe.


In Bezug auf das Kolorieren, wie entscheiden Sie sich welchen Stil Sie benutzen? Zeichnen Sie vorher einige Testversionen?

Grundsätzlich koloriere ich die Zeichnungen nur einmal. Ich überlege welche Farbe die größte Fläche bedecken soll und danach kommt es intuitiv, welche Farben für den Rest bestimmt sind. Bei Son-Goku oder einem anderen Charakter, bei dem die Farben bereits bestimmt sind, entscheidet dies die Farben für den Hintergrund.


Wie gehen Sie bei der Illustration vor? Sind für Sie die Zeichnung der Konturen und das Kolorieren zwei getrennte Arbeitsschritte, oder erledigen Sie beides in einem Aufwasch?

Normalerweise trenne ich nicht zwischen Zeichnung und Kolorierung. Wenn ich mit einem Bild beginne, versinke ich in meiner Arbeit. Ich nehme nichts mehr von meiner Umwelt war und mache nichts anderes, bis ich damit fertig bin.
Vor einiger Zeit, als ich eine genaue Zeichnung machen wollte, wurden die Linien alle wellenartig. Ich dachte „Ah, meine Hand spielt verrückt, was ist los mit mir?“ Dann begann auch noch meine Unterlage zu wackeln, bis ich merkte, dass es ein Erdbeben war!...(lacht) Sogar wenn ich schlaf brauche, arbeite ich normalerweise weiter bis ich fertig bin.
Ich glaube, dass ich nicht einmal schlafen könnte, wenn ich es nur halbfertig hätte…(lacht). Es würde mich wahrscheinlich nerven. Ich würde in meinen Träumen weiter zeichnen und wenn ich am nächsten Morgen aufwache denke ich „Hmm, leider habe ich nur geträumt, dass ich fertig bin“…(lacht).


Um zum Ende zu kommen.Welche Zeichnungen aus 10 Jahren „Dragon Ball“ gefallen Ihnen am besten?

Die, auf der Son-Goku und Son-Gohan auf einer Art Vogelstrauß-Harley Davidson reiten.(Zeichnung --, Seite--)


Nur diese einzige in all der Zeit, mehr nicht?

Was den Aufbau und die Farben angeht, ist es, glaube ich, tatsächlich die einzige…


Jetzt wo Sie es erwähnen, ich glaube man könnte sagen, Sie haben es geschafft einen Augenblick der Bewegung geschickt einzufangen.

Aber ich glaube kaum, dass es so beeindruckend ist. Wenn ich etwas zeichne, erziele ich immer ein Bild, welches ich mir nicht genau so vorgestellt habe. Das ist wirklich ärgerlich! Ich denke, dieses eine Bild hat aber genau die Gestaltung bzw. Zusammensetzung der Farben, die ich mir vorgestallt habe.
Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch. Am meisten liebe ich Abwechslung, das Unerwartete. Man muss sich ständig selbst hinterfragen, um in der Lage zu sein, sich weiterzuentwickeln. Das Schlimmste wäre, wenn mich meine Arbeit langweilen würde. Deshalb zwinge ich mich, Fehler zu machen, so kann ich mich immer noch weiterentwickeln…(lacht).

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.

(21. April 1995, Hotel Yamanoue „Hill Top“)


Referenzen

  1. Dragon Ball Artbook. Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 1999, ISBN 3-551-73600-6 (Japanisch: Dragon Ball Daizenshū 1: Complete Illustrations).
  2. Translations | Akira Toriyama Super Interview 1st Round — The Evolving Illustrations (englisch) Kanzenshuu. 12. Juli 2016. Abgerufen am 12. Juli 2016.